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  • Vergangenheit ade?

    Verfasst von boris am 16.04.2013
    Hochschul- und Wissenschaftspolitik

    Wie ist das eigentlich, wenn ich mal eine Meinung zum Thema Rechtsextremismus hatte, diese auch intensiv in politischen Diskussionen kundtat, mich dies aber später stören würde; sollte ich dann davon ausgehen, dass der politische Gegner nun darüber schweigt? Konkret gab es Ende Mai 2009 im Studierendenparlament der RWTH Aachen eine Diskussion über folgende Resolution der Grünen Hochschulgruppe (GHG) zum Thema Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit: weiterlesen…

    Greenpeace und die tödlichen Kohlekraftwerke

    Verfasst von boris am 14.04.2013
    Energie- und Rohstoffpolitik

    Letzte Woche hat Greenpeace eine Studie zu dem Thema veröffentlicht, wie tödlich unsere Kohlekraftwerke seien. Ich möchte nun weniger darauf eingehen, wie sinnvoll eine solche Studie ist und was ich von Kohlekraft halte – auf jeden Fall mehr als von Atomkraft –, sondern ich möchte an dieser Stelle auf methodische Probleme der Studie eingehen, die die Aussage durch eine absolute statt relativ auf die erzeugte Strommenge bezogene Betrachtung vollkommen verzerren.

    In der hier zu sehenden Grafik habe ich die nach Greenpeace sechs tödlichsten Braun- und Steinkohlekraftwerke aufgeführt, sowie die neue BOA-Anlage von RWE in Neurath. Da für die BOA keine ‚Todesrate‘ berechnet wurde, habe ich nun die Schwefeldioxidausstöße pro Jahr (Daten aus der Greenpeace-Studie) respektive pro Jahr und Megawatt Nettoleistung (Daten aus der Greenpeace-Studie und von der Bundesnetzagentur) aufgetragen.

    An dieser Stelle möchte ich mit meinen Hauptkritikpunkt ansetzen, der dafür sorgt, dass die ganze Studie aus meiner Sicht aus politischer Sicht nicht aussagekräftig ist: Greenpeace betrachtet die Werte nur absolut und nicht relativ pro erzeugter Leistung. Hierdurch werden natürlich Großstandorte wie im rheinischen Braunkohlerevier dreckiger, da dort an einem Standort durchaus 3 GW Strom erzeugt werden. An kleinen Standorten in dem Report werden aber nicht einmal 100 MW Strom erzeugt. Hier werden also von Greenpeace kleine Kraftwerke mit solchen, die eine 30mal größere Leistung haben, gleich gesetzt. Berechne ich nun aber diesen Größenfaktor mit ein, kann in der von mir erstellten Grafik auch gesehen werden, dass die Reihung der Standorte in der absoluten und relativen Betrachtung unterschiedlich ist. Auf diese Weise wird nun auch die Behauptung, im Rheinischen Braunkohlerevier (oder wie die Zeitungen im Gäuboden fälschlicherweise titelten, im Ruhrgebiet) stünden die tödlichsten Kraftwerke, zweifelhaft.

    Vor allem aber frage ich mich, was die politische Aussage sein soll? Baut mehr kleine Kraftwerke, dann sind die Standorte gesünder? Das kann es doch nicht sein. Ziel ist es doch, das Klima zu schonen! Also muss ich die Emissionen in Summe minimieren und nicht gleichmäßig verteilen.

    Im Rahmen weiterer Ungenauigkeiten sind in der Studie Kraftwerke enthalten, die inzwischen abgeschaltet sind, da sie durch modernere Kraftwerke, die ebenfalls in der Studie sind, ersetzt wurden. Dies betrifft zum Beispiel Blöcke des Kraftwerkstandortes Frimmersdorf, welche durch die neuen Neurather BOA-Anlagen ersetzt wurden.

    Weitere Schwachpunkte der Studie sind, dass einige Kraftwerke mit dem Primärbrennstoff Braun- oder Steinkohle befeuert werden, es aber Beifeuerungen von Erdgas, Klärschlamm, Müll, Tiermehl, Gruben- oder Gichtgas gibt, die aber nur in zwei Fällen erwähnt werden. Nun ist es erstens schwer zu sagen, welche Leistung auf welchen Brennstoff entfallen, gerade wenn mit Vorschaltturbinen gearbeitet wird, so dass alle Brennstoffe angegeben werden sollten. Zweitens muss auch gesehen werden, dass so eine Beifeuerung auch höhere Prozentwerte des insgesamt verwandten Brennstoffes darstellen kann. Sie sollte also auf jeden Fall erwähnt werden. Weiterhin kann sie sogar dem Umweltschutz dienen, wenn Brennstoffe benutzt werden, die selbst deutlicher klimaschädlicher sind, als das bei ihrer Verbrennung entstehende Kohlenstoffdioxid und dabei auch noch die Verfeuerung des Primärbrennstoffes in Teilen substituieren. Ein solcher Fall wäre Methan, welches 25mal klimaschädlicher als Kohlendioxid ist und als eigentliches Bei- oder Abfallprodukt in Form von Gruben- bzw. Gichtgas entweder genutzt oder aber in die Umwelt geleitet werden kann.

    Ein weiterer Schwachpunkt der Greenpeace-Studie ist, dass nicht betrachtet wird, dass an einigen Standorten im erheblichen Maße Prozess- oder Fernwärme ausgekoppelt wird.

    Ich finde, wenn eine solche Studie erstellt wird, sollten auf jeden Fall relative Werte betrachtet werden, um eine sinnvolle politische Aussage treffen zu können. Weiterhin sollten die Daten sauber und vor allem nachvollziehbar aufbereitet werden. Geschieht dies nicht, habe ich große Probleme, eine solche Studie ernst zu nehmen, auch wenn es natürlich ein extrem wichtiges Anliegen ist, darauf hinzuweisen, dass bei der Stromproduktion Schadstoffe entstehen und daher im Sinne des Umwelt- und Gesundheitsschutzes effizientere Kraftwerke her müssen (die BOAs zum Beispiel), der schrittweise Umstieg auf regenerative Energien weiter gehen muss, auch wenn er erst einmal Anlaufkosten mit sich bringt, aber vor allem Energie eingespart werden muss. Alle diese politischen Ziele kann ich nämlich auf Basis einer solch methodisch falschen Studie nicht erreichen.

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