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  • Wenn der Fraktionsvorsitzende zu früh kommt

    Verfasst von boris am 15.04.2014
    SPD und Wahlk(r)ämpfe

    Stellen wir uns vor, es wäre Wahl. Das Ergebnis sorgt dafür, dass die Fraktion ein wenig durcheinander gewirbelt wird. Neben einigen Fraktionsdinos ziehen ebenfalls ein paar ambitionierte Frischlinge in das Parlament ein. Eigentlich das, was sich alle wünschen: Ein sanfter Generationenübergang im Vergleich zu der vorher doch leicht überalterten Fraktion.

    Stellen wir uns nun vor, dass der Fraktionsvorsitzende der Partei gegenüber lange ein wenig verschlossen war und ihm daher ein gewisser innerparteilicher Wind entgegen weht; gerade bei den jungen Parteigängern und denen, die noch Visionen haben und sich einen gewissen innerparteilichen Dialog wünschen. Auch hat der Fraktionsvorsitzende es geschafft, bei der letzten Oberhauptswahl das Wählerpotential der Partei zu halbieren. Dies sorgt sicherlich auch dafür, dass er jetzt nicht unbedingt als die Investition in die Zukunft angesehen werden kann. Aber dieses halbe Potential hat er schon sicher, so dass er mit einem guten Ergebnis bei der Parlamentswahl wieder in dieses einzieht. Außerdem mag er sein Amt. Gerade das des Fraktionsvorsitzenden. Denn seien wir mal ehrlich, es schmückt einen schon ein wenig. Was also machen?

    Stellen wir uns also vor, dass er ein guter Taktiker ist, so dass er auf die Idee kommt, sich nach der Wahl doch einfach von der alten, gerade abgewählten Fraktion bitten zu lassen, auch nach der Wahl weiterhin Fraktionsvorsitzender zu bleiben. Das wirkt irgendwie auch demokratisch und vielleicht sogar nach geordnetem Übergang. Diese Bitte der alten Fraktion könnte er sodann an die nationalen Medien weiter leiten. Die Umsetzung dieser Idee läuft auch wie geschmiert, denn die alte Fraktion mag ihn und das mit den Medien kann er; dafür ist er einfach schon lange genug dabei.

    Stellen wir uns nun vor, die neue Fraktion tagt und muss ihren Vorsitzenden wählen. Was wollen sie machen? Ulrich Deppendorf in den Tagesthemen und Marietta Slomka im heute Journal erklären, dass sie sich entgegen den Nachrichten der letzten Wochen für eine andere Fraktionsspitze entschieden haben? Oder sollen sie es sein lassen und den alten Fraktionsvorsitzenden mit seinem Plan durchkommen lassen und im Amt bestätigen? Der Partei würde es sicherlich nicht gerade gut tun, jetzt jemand anderes zu wählen, und den alten Fraktionsvorsitzenden will man jetzt auch nicht unbedingt ausziehen; auch weil er durchaus noch seine Seilschaften hat, so dass es in Folge seines Sturzes nicht nur von außen, sondern gerade parteiintern heiß werden würde.

    Stellen wir uns diese Situation vor! Wir sind froh, dass wir verschwitzt aufwachen und bemerken, dass es nur ein Alptraum war, weil so nämlich eine Partei nicht funktionieren kann.

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