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  • Wie ich die Welt mit meiner SPD-Fahne verstörte

    Verfasst von boris am 24.03.2017
    SPD und Wahlk(r)ämpfe

    Gestern war es mal wieder an der Zeit, in Erfurt seinen Mann bzw. seine Frau zu stehen: Gegen Islamphobie und gegen Ausländer/innen/feindlichkeit. Weil ich es so von früher kenne und auch Zeit hatte, nach der Arbeit noch kurz nach Hause zu fahren, nahm ich meine SPD-Fahne mit zur Demo. Doch damit verstörte ich gleich Dreierlei: Die Rechten, die Antifa und meine Partei.

    Wie war es früher? Wenn zum Beispiel in Stollberg mal wieder Fackelmarsch bei den Rechten angesagt war, hat sich eine breite Melange der Bürger/innen/schaft versammelt und gezeigt, dass die Meinung der Rechten eher eine Einzelmeinung ist. Und diese Melange war bunt und hat dies auch durch bunte Fahnen und Transparente zum Ausdruck gebracht. Auf diesen Fahnen erkannte man Symbole der Linken, der Grünen, der Kirchen, der Gewerkschaften, auch mal der Liberalen und natürlich auch der SPD.

    Nun hatten hier in Erfurt Menschen Kreuze im Stile des KKK aufgestellt, um ihren Unmut über den geplanten Bau einer Moschee zu zeigen, wobei zu dieser Moschee dann auch noch ein Minarett dazukommen sollte. Gegen diese menschenverachtende Ku-Klux-Klan-Symbolik gingen wir also gestern auf die Straße und ich nahm wie früher in NRW oder in Bayern meine Fahne mit.

    Doch, wie schon oben erwähnt, eckte ich damit gleich dreifach an:

    • Dass die Rechten meine Fahne blöd fanden – irgendwo im Facebook las ich heute Morgen aus dieser Ecke eine Beschwerde, dass man die SPD nun nicht mehr wählen könne –, stört mich nicht so sehr. Ich sehe es sogar eher als ein Service von mir an. Man will ja schließlich nicht, dass sich jemand verwählt.
    • Dass sich gestern ein Antifus bei mir echauffierte, wie ich mich trauen könnte, mit einer SPD-Fahne auf solch eine Demo zu gehen, fand ich irgendwie eher schade. Ich denke, dass wir an dieser Stelle alle nach den gleichen Idealen nur vielleicht auch mal auf anderen Wegen streben. Der Opponent ist also bei den Rechten und nicht innerhalb des Bündnisses, welches sich ab der Mitte nach links erstreckt, zu suchen.
    • Jedoch bekam ich von – ich sage mal koordinativ tätigen – Menschen aus meiner eigenen Partei signalisiert, dass ich nicht mit meiner SPD-Fahne auf eine gegen die Rechten gerichtete Demo gehen solle. Zum einen wurde abgestritten, dass ich mir privat überhaupt solch eine Fahne besorgen könne (da kennt wohl jemand das Neuland noch nicht). Zum anderen wurde aber auch irgendwie bezweifelt, ob ich hier überhaupt auf einen Grundkonsenz stoßen würde. Ich sollte mich doch lieber erst mal erkundigen, ob man mir gestattet, auf eine gegen die Rechten gerichtete Demo mit meiner SPD-Fahne zu gehen. Aber mal ehrlich, wofür steht die SPD denn wohl, wenn nicht für die Rechte der Menschen, die unter der Macht der anderen leiden und dadurch benachteiligt werden. Wer mir also signalisiert, dass ich mir Gedanken machen soll, ob ich auf eine friedliche (und sogar von den Jusos mit koordinierte) Demo gegen Rechts mit meiner SPD-Fahne gehen kann, hat wohl nicht verstanden, von welcher Partei wir hier sprechen.

    Daher mein Fazit: SPD-Fahne? Jetzt erst recht!

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