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  • Wie der WDR rassistische Äußerungen verharmlost

    Verfasst von boris am 19.06.2020
    Allgemeinpolitik

    Hier war ja länger nichts mehr los. Aber gerade muss ich mal wieder bloggen. Und zwar einfach, weil mal wieder Menschen nach Etiketten sortiert werden und dies dann auch noch im öffentlichen Rundfunk – dem ich gerne Qualität zuspreche und daher auch gerne höre – verharmlost wird. Was war los? Konkret wurde heute morgen im WDR5 Morgenecho darüber berichtet, dass Herr Laschet nach seiner ersten Äußerung zum Fall Tönnies nun einen Kollateralschaden erleiden würde, da es diplomatische Verstimmungen gäbe. Es ging dabei um seine Antwort, „Das sagt darüber überhaupt nichts aus, weil Rumänen und Bulgaren da eingereist sind und da der Virus herkommt. Das wird überall passieren.“, auf die Frage, was der Corona-Ausbruch über die bisherigen Lockerungen aussage.

    Jedoch war diese Äußerung von Herr Lachet doch eindeutig rassistisch: Wenn nach einem Coronaausbruch in dieser Stärke – wir sprechen hier von mehr als 600 Infektionen – zuerst durch Herrn Laschet auf die Herkunft der Erkrankten verwiesen wird, anstatt zunächst die Gründe offen zu lassen oder noch besser an vorderster Stelle den wahrscheinlichen Grund anzusprechen, nämlich die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie [1], kann diese Äußerung nur als rassistisch wahrgenommen werden. Schließlich werden hier Menschen auf ihre Herkunft reduziert und auch noch die Herkunft negativ konnotiert.

    Dass solche eine rassistische Äußerung Verstimmungen hervorruft, ist zu hoffen. Wenn es herkunftsbezogener Rassismus wie in dem konkreten Fall ist, darf auch sicherlich mit diplomatischen Verstimmungen gerechnet werden.

    Diese berechtigte Kritik an Herrn Laschet nun aber als Kollateralschaden für Herrn Laschet zu bezeichnen, kehrt doch die Täter-Opfer-Beziehung um. Er erleidet doch selbst erst einmal keinen Schaden sondern er hat den Infizierten durch seine Äußerung noch zusätzlichen Schaden zugefügt. Dafür wird er nun zurecht kritisiert.

    Auch wenn im WDR5 Morgenecho sicherlich eine gewisse Flapsigkeit im Rahmen der Moderationen vorherrscht, würde ich mir wünschen, dass mit dem Thema Rasismus sensibler umgegangen würde. Hier im Konkreten aber im Qualitätsjournalismus im Allgemeinen. Gerade nach der Ermordung George Floyds bzw. den Hinweisen auf latenten Rassismus, der auch in Deutschland vorherrscht, wäre es doch angebracht, wenn auch Qualitätsmedien überlegen, wo eigene Äußerungen rassistisch sind oder zu mindestens Rassismus verharmlosen. Das Vorhandensein einer diesbezüglichen Awareness scheint mir jedoch nach dieser Moderation heute Morgen ausbaubar.

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    [1] Überwachungsaktion. „Faire Arbeit in der Fleischindustrie“. Abschlussbericht. MAGS NRW 2019

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