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  • Wo bleibt die Corona-Home-Office-Pflicht?

    Verfasst von boris am 07.01.2021
    Allgemeinpolitik, Super deo terraque

    Das neue Jahr bringt auch wieder eine neue Stufe des Corona-Lock-Down-Lights mit sich. Doch wieder einmal beziehen sich die Maßnahmen vor allem auf das Private und die Bildung. Man darf keine Kultur konsumieren, vieles nicht kaufen, in Risikogebieten soll es Bewegungsbeschränkungen für den privaten Bereich geben, man darf nur eine geringe Anzahl an Menschen treffen und Bildung geht mal wieder nur online – wenn denn die Systeme stehen, was im Laptop- und Lederhosenland Bayern nicht der Fall zu sein scheint. Was aber mal wieder komplett fehlt, ist eine Plicht zum Home-Office, solange nicht betrieblich notwendige Tatsachen dagegensprechen.

    Die ganzen anderen Maßnahmen will ich gar nicht bewerten, da keineR weiß, ob und wie sehr diese wirken, wir aber sehen, dass gehandelt werden muss. Schließlich gehen die Zahlen nicht wirklich runter und was uns Weihnachten beschwert hat – Katholiken und Protestanten durften ja eine Runde Party feiern, was Orthodoxen, Juden und vor allem Muslimen (wehe ihr feiert Ramadan, wie im ersten Halbjahr gewarnt) –, wissen wir noch gar nicht. Schaue ich aber in diesen Maßnahmenkatalog rein, finde ich im Bereich der Arbeit bis auf den Apell, Home-Office zu gewähren, eigentlich* nichts.

    Doch gibt es diese Apelle schon länger und es ist zu sehen, dass diese nicht fruchten. Denn hört man sich um, sieht man, dass immer noch viele Menschen gezwungen werden, komplett oder zu mindestens tageweise auf Arbeit zu gehen, obwohl dies aus betrieblichen Gründen nicht notwendig wäre. Argumente sind dann etwa das fehlende Vertrauen von Vorgesetzen, die Idee einer Zwangssolidarität mit Kollege/inn/en, die aus betrieblichen Gründen auf die Arbeit müssen, oder angeblich schlechte Informationswege im Home-Office.

    Dies sind alles Punkte, gegen die sich die Arbeitnehmenden nicht wehren können und sodann auf die Arbeit kommen müssen. Alles sind es aber auch Punkte, auf die wir jetzt nicht Rücksicht nehmen sollten.

    • Wieso soll ich im 21. Jahrhundert im Büro mehr Vertrauen in mein Arbeitsergebnis genießen als zu Hause? Im Büro kann ich doch auch in der Nase popeln und nichts machen oder mich mit meine Kolleg/inn/en über das letzte Wochenende austauschen. Es gibt also, neben verkrusteten Arbeitsvorstellungen kein passendes Argument.
    • Solidarisch bin ich auch eher, wenn ich die Kolleg/inn/en, die Auf die Arbeit müssen, entlaste, in dem ich zu Hause bleibe: Erstens lasse ich denen vor Ort auf der Arbeit mehr Platz, was eine geringere Ansteckungsgefahr mit sich bringt. Zweitens entlaste ich damit auch den Weg zu Arbeit. Das kann entweder weniger Staus auf der Straße oder dem Radweg bedeuten. Es kann aber vor allem auch bedeuten, dass der ÖPNV entlastet wird. Hier ist es nämlich oft bedeutend zu voll und dem kann von der öffentlichen Hand nicht so einfach entgegen gesteuert werden, da Busse und Bahnen erst einmal gebaut werden müssen und gerade in teuren Städten wie München auch einfach das Personal fehlt, welches es sich leisten kann, für den Lohn eines/einer Busfahrer/in in München zu leben. Nur durch weniger Menschen auf der Arbeit kann der ÖPNV derzeit sinnvoll entlastet werden und können damit auch die Menschen, die diesen nutzen müssen, besser geschützt werden.
    • Zuletzt sollen auch schlechte Informationswege jetzt kein Argument sein. Wenn nun im Home-Office bei all den vorfügbaren Konferenzdiensten, Cloud oder vpn-Speicherlösungen,… gesehen wird, dass diese schlecht sind, dann waren sie es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schon vorher. Dann sollte nicht das Home-Office eingeschränkt, sondern die Informationswege verbessert werden.

    Leider werden aber, wie gesagt, aus solchen Gründen viele Menschen immer noch auf die Arbeit gezwungen. Also wäre es doch in Angesicht der noch immer zu hohen Ansteckungswerte Zeit, mehr als nur einen Appell an die Wirtschaft zu richten und ein Recht auf Home-Office, in Zeiten von Corona sogar eine Pflicht auf Home-Office überall da durchzusetzen, wo dies betrieblich möglich ist.


    *Eigentlich, da natürlich das Konsumverbot etwa von Kultur in vielen Bereichen auch die Arbeit erschwert, aber halt nicht verbietet.

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